Eingestellt am 18. März 2019 · Eingestellt in Alle Publikationen

Kontoguthaben bringt keine Zinsen, aber das gilt auch für viele Segmente der festverzinslichen Wertpapiere. Gleichzeitig scheint die Verzerrung der Vermögenspreise umso größer zu sein, je höher der Einfluss des Zinses auf die jeweilige Vermögensklasse ist. Warum sollten Anleger also nicht alle Vermögensklassen, die zwischen Cash und Aktien liegen, ignorieren?

Was ist aktuell bei festverzinslichen Wertpapieren zu verdienen?

Der Grund für diese Frage liegt in den niedrigen Renditen von festverzinslichen Wertpapieren: 4 Prozent für Anleihen schwächerer Bonität, 1,2 Prozent für solide Unternehmensanleihen und 1,05 für Staatsanleihen sind wahrlich keine erquickenden Perspektiven. Aufgrund des bereits langanhaltenden Anlagedrucks stellt sich die Frage, ob die Risiken angemessen vergütet sind.

Sollte die These also lauten, dass Anleger nur Cash und Aktien halten sollten?

Was spricht für diese These?

  1. Für die meisten Privatanleger hat Kontoguthaben keine Kosten, da sie keinen Negativzins bezahlen müssen.
  2. Es gibt klare Schubladen: Das Kontoguthaben ist, im Sinne von Schwankungen, risikolos. Emotional ist die Trennung zwischen Rücklage und Kapitalanlage sehr eindeutig.
  3. Die besonders vom Nullzinsumfeld verzerrten zins nahen Vermögensklassen mit ungünstigem Chance-Risiko Verhältnis werden ausgespart.
  4. Die Relation von langfristiger Renditeerwartung zu kurzfristigen spürbaren Kursverlusten könnte attraktiver sein als unter Einbeziehung von Anleihen (Cash hat kein nominales Verlustrisiko).

Was spricht gegen diese Theorie?

  1. Es wird auf Diversifikation verzichtet! Erstklassige Staatsanleihen profitieren von Ängsten am Kapitalmarkt in Form von Kursgewinnen.
  2. Unternehmensanleihen, Wandelanleihen und Discount-Zertifikate tragen zwar auch Aktienmarktrisikoprämien in sich, aber eben auch andere preistreibende Komponenten.
  3. Guthaben bei der Bank ist ein Kredit an genau diese eine Bank. Anleihen ermöglichen die Streuung auf verschiedene Schuldner.
  4. Die „harte“ Trennung zwischen Konto und Depot kann das sehr sinnvolle Rebalancing (=antizyklisches handel) in Krisenphasen emotional erschweren. Innerhalb des Depots tut man sich damit häufig leichter.
  5. Der Euro ist eine Währung dessen Bestand immer mal wieder in die Diskussion kommt.

Fazit für private Anleger

Es gibt kein allgemein gültiges „richtig oder falsch“. Je nach individueller Meinung und persönlicher Präferenz sind unterschiedliche Wege der Depotkonstruktion möglich. Dazu sind diese erst zu ermitteln und dann die passende Umsetzung zu gestalten.

Über den Autor

Herr Leichtweiß ist Finanzplaner und Portfoliomanager. Seine Beiträge finden Sie regelmäßig auf unserer Seite.